KlangWelten

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KlangWelten Festival 2017: Programm

“31 years of excellence”

KlangWelten-Festival 2017

Neue Idee …… Neue Tournee
Klangwelten 2017

Ein Dialog der Kulturen … Eine spannende Kombination traditioneller und neuer Musikstile der Welt … Eine musikalische Expeditionsreise quer durch drei Kontinente und vier Kulturen … Musik für Herz, Hirn und Bauch … KlangWelten ist Deutschlands führendes Weltmusikfestival, auf Tournee im 31. Jahr !

 

Programm 2017:

Mehrzad Azamikia (Iran)

Kemenche

KlangWelten-Festival 2017: Mehrzad AzamikiaMehrzad Azamikia, der iranische Musiker, der zum ersten mal nach Deutschland kommt, spielt das Streichinstrument Kemenche. Eine rasante Musik mit tiefem Verständnis der Alten Musik. Gut geeignet für die Zusammenarbeit mit allen anderen Instrumenten.

Kemenche

Die Kemenche ist ein iranisches Streichinstrument, welches auch in Armenien, Aserbeidschan, Türkei und Kurdistan gespielt wird. Sie geht zurück auf die Byzantinische Lyra. Sie wird mit einem mit den Fingern gespannten Bogen gespielt. Sie ist weit verbreitet in der klassischen Musik. Wir haben über 20 Jahre keine Originalmusik aus dem Iran in Deutschland hören können, sondern nur Musik der Auswanderer, die, wie wir wissen, konservativer geblieben ist. Im eigenen Land, dem Iran, gibt es erstaunliche Fortbewegungen der traditionellen Instrumente. Die Kemenche z.B, wird auch in der „klassisch“ angehauchten Literatur gespielt und auch unterrichtet. Erst jetzt, in den letzten Jahren, öffnet sich das Land langsam für reisewillige Musiker. Das ist also keine Asyl-Musik, sondern ein Zeichen der Fortentwicklung. Es hat sich eine wirklich erstaunliche Geschwindigkeit und Intonations-Genauigkeit entwickelt, wo wir westlichen Konzertbesucher in ungläubiges Staunen versetzt werden.

Die Kemenche hat 4 Metallsaiten, früher waren es 3 Darmsaiten. Die Instrumente sind mit Einlegearbeiten verziert. Das Instrument besteht aus einem Kürbisresonator und einem längeren Saitenhalter. Der Resonanzkörper ist aufgesägt und mit einem Resonanzfell bespannt, meistens aus Lammfell. Darüber sind die Saiten gespannt, die über einen Steg auf den Resonanzkörper drücken. Nach unten tritt der Saitenhalter aus dem Resonanzkörper aus und endet in einem ca. fusslangen Endstock. Sie wird gespielt etwa wie ein Cello. Die Spieler heute erreichen ein unglaubliches Tempo.

In letzter Zeit ist eine Art Klassik entstanden, in der die Kemenche mit Klavier gespielt wird. Dann ist die Musik relativ westlich.

Mehrzad Azamikia spielt ohne Klavier, was den Sound ursprünglicher macht. Seien wir gespannt auf den neuen Klang der iranischen Streicher, und auf die Zusammenarbeit mit den anderen Klangwelten-Musikern!

Monjamahafay "Monja" Deze (Madagaskar)

Marovaani (Kastenzither)

KlangWelten-Festival 2017: MonjaMonja hat alles, was es braucht für ein faszinierendes Spiel: Sein Instrument, die Marovaani, ist eine Tradition in Madagascar. Er spielt das Instrument mit einer erstaunlichen Leichtigkeit. Mit zwei Reihen von Saiten rechts und links am Klangkörper erzeugt er eine Geschwindigkeit und Präzision, die ihresgleichen sucht! Er hat eine fantastische Gesangstimme und nimmt uns mit in abgefahrene Tiefen.

Das Nationalgetränk in Madagascar heisst Rano a Panda, Goldwasser. Es ist das übriggebliebene Wasser vom Reiskochen. Reis? Obwohl Madagaskar direkt vor der afrikanischen Küste liegt, erinnern die Menschen dort sehr stark an ihre Ursprungsheimat, Indonesien, von wo die Insel vor ungefähr 1000 Jahren besiedelt wurde.

Von Monja hören wir die Musik der Andandroi, einem Stamm, der im Süden des Landes lebt. Dort spielt man eine Variante, die Kastenzither Marovaani. Dieses Volk wirkt irgendwie afrikanischer als die Hochlandbewohner, rauher, gedrungener, die Musik weniger lieblich, man hört direkt die staubige Dornensteppe heraus, in der diese Leute leben.

Marovaani

Die Marovaani ist eine beidseitig bespannte Holzkiste,eine wunderbare Versinnbildlichung eines anderen Zugangs zur Musik, denn die Töne sind nicht analog-vectorförmig aufgereiht wie in unserer Musik, also von unten nach oben, sondern die Saiten sind abwechselnd verteilt auf beide Seiten der Kiste. Und das bedeutet, dass der Musiker, der eine Tonleiter spielen will, abwechselnd eine Saite rechts und links spielt. Im Nebeneffekt erreicht man so eine rasante Geschwindigkeit.

Musik

Der Musiker memoriert eher die Fingerbewegung als die Melodie, ein spiraliges Musikbewusstsein setzt ein, eine Gleichzeitigkeit sich verändernder Lagen von kreisförmigen Mustern. Man könnte also sagen, daß bei dieser Musik das Bewusstsein von Zeit und Raum anders abläuft als bei uns. Grundlage der Stücke ist die pulsierende Begleitstruktur, diese wird von Improvisationsteilen durchwebt. Der Musiker konzentriert sich abwechselnd auf Begleitung und Melodie. Diese Musik wird nicht nur zur Unterhaltung und zum Tanz gespielt, sondern auch in der stundenlangen Tomba-Zeremonie. Dort dient sie dem Medium um in Trance zu fallen. Marovaani-Spieler spielen gern mit schnellen Rasseln, und so wird auch Ronja einen Rassel-Spieler mitbringen. Monja heisst korrekt: Monjamahafay Deze.

Agus Wahyu Rhythm Explosion (Java)

Agus Supriawan/Wahyu Rochewandy, Saron, Gendang, Sanggak

KlangWelten-Festival 2017: Agus Wahyu Rhythm Explosion Die beiden Meister Agus Supriawan und Wahyu Rochewandy aus Java faszinieren durch ausgefeiltes Zusammenspiel und groovende Percussion. Durch genaues Ineinanderspiel verdoppeln sie die Geschwindigkeit der Beats! Die beiden Musiker sind umgeben von 6 Trommeln und Gongs. Indonesisches Flair! Die Trios mit Jatinder Thakur zählen zum Intensivsten, das man bei Klangwelten kennt.

Die beiden Trommler aus der Gamelan-Tradition schlagen den wuchtigen Puls der Erde aus ihrem sechsteiligen Gendang-Trommelset. Auch die affenschreiartige Trommelsprache (Sanggak) wird zelebriert. Und wir hören Gamelan-Gong-Instrumente. Aguswahyu Rhythm Explosion waren schon zwei mal bei Klangwelten und haben auch beeindruckende Trommeltänze vorgeführt…

Agus und Wahyu gehören zur Elite der altehrwürdigen Gamelan-Musik in Java (Indonesien). Sie stehen für hohe Präzision, ausgefeilte Arrangements, Witz, treibende Grooves, Spontanität und Professionalität. Auf den Metallophonen spielen sie die magisch-verzaubernden Klangkaskaden der Sunda-Gamelans, zahnradmäßig ineinander greifende minimalistische Strukturen. Agus und Wahyu stammen beide aus Musikerfamilien in West-Java.

Sie studierten an der Hochschule für traditionelle Musik in Bandung. Beide spielen in einer Vielzahl von traditionellen und modernen Gruppen in Indonesien und haben auf zahlreichen CD-Produktionen mitgewirkt. Agus Supriawan unterrichtet mehrere Monate im Jahr an Musikhochschulen in Australien, Neuseeland , Malaysia und Indonesien. Wahyu Roche ist als Kurator der Musikabteilung des Museums in Bandung zuständig für den Gamelanunterricht der Schulkinder.

Magische Klänge aus dem Land, wo die Nelken wachsen.

Saron

KlangWelten-Festival 2017: Agus Wahyu Rhythm ExplosionSaron - ein paar gleichgestimmter Metallophone mit jeweils sechs Tasten. Die Tasten sind aus dicker, schwerer Bronze angefertigt und sehr genau gestimmt. Die Stimmung entspricht natürlich nicht unserer europäischen, gleichschwebend-temperierten Stimmung (die ja genaugenommen eine gleichmässig verstimmte Skala ergibt) . Es werden drei Haupt-Skalen verwendet, zwischen denen man durch Austauschen einiger Tasten wechseln kann: Salendro (CDEGAC), Pelog (CDFGHC), und Madinda (CEFisGHC).

Die Melodien auf dem Metallophon werden oft zwischen den beiden Musikern aufgeteilt. So kommte es, daß manche Melodien nie von einem Musiker komplett gespielt werden, sondern oft nur jede zweite Note. Aus zwei Melodien werden so neue, „verborgene“ Melodien gebildet („Inherent Patterns“). Daraus ergibt sich ein aussergewöhnliches „Stereo-Bild“.

Die beiden Teilmelodien werden sehr geschickt miteinander verbunden, indem jeder Spieler seinen gerade gespielten Ton genau in dem Moment abdämpft, in dem der nächste Ton erklingt. Wenn man nicht abdämpfen würde,würde sehr schnell ein undefinierbarer Klangbrei entstehen. Das Abdämpfen der vorher gespielten Töne ist also genauso wichtig, wie das Anschlagen der Töne. Der Spieler macht pro Ton zwei Bewegungen: Anschlagen und Abdämpfen.

Hinzu kommt noch,dass auch die Verzierungen, Umspielungen der Melodie zum Teil aus vorweggenommenen Melodieteilen bestehen, also ein weiterer Teil des Bewusstsein „vorweglaufen“ muss.

Gendang

Gendang sind die traditionellen Trommeln der Sunda-Musik. Sie bilden ein Set. Zentrale Haupttrommel ist eine große doppelfellige Variante, die auf beiden Seiten gespielt wird. Ein interessanter Aspekt dabei ist, daß die hohe Seite mit der linken Hand und die tiefe mit rechts gespielt wird. Die Trommel wird im Sitzen gespielt, und ein Fuß drückt auf die tiefe (rechte) Seite des Trommelfells. Mit unterschiedlich starkem Druck der Ferse kann der Musiker so unterschiedliche Tonhöhen im Bass erzeugen, ähnlich wie die indischen Musiker bei den Tablas. Zusätzlich zur großen Trommel gibt es noch zwei kleinere Trommeln („Kulanter“), die senkrecht neben der Haupttrommel stehen. Diese sind auf zwei hohe Töne (im Ganztonabstand) gestimmt.

Im Set spielen die Musiker diese Trommeln synchron, was bei bestimmten, durchkomponierten Breaks, Stops etc einen beeindruckenden Effekt erzeugt. Ausserdem wechseln sie sich auch ab im Solieren, wobei jeweils der andere im Hintergrund den durchgehenden Puls hält.

Ähnlich wie bei den indischen Tablas gibt es eine "Trommelsprache", in der die Musik memoriert wird. Im Konzert werden Sie diese zu hören bekommen. Durch diese Sprache ist es den Musikern möglich, recht genau zu kommunizieren, auch mit Musikern aus anderen Kulturen. Das Trio mit J.Thakur war für uns einer der Höhepunkte der KlangWelten Festivals.

Sanggak

Sanggak ist eine archaische Vokaltechnik, in der auch das „Verzahnen“ eine wichtige Rolle spielt. Agus und Wahyu haben diese alte Kunst wieder ausgegraben, die in Java schon lange aus der Mode war. Zwischen abgehackten Silben, Affengeschrei, Anfeuerungsrufen und rauschhafter (Hyperventilation! Adrenalin!) Vokalakrobatik klingt das manchmal wie eine archetypische Ursprache der Menschheit.

Auch in Java tendiert die Klassische Musik etwas zur mathematisch-militärischen Strenge mit steifem Gehabe, konservativer Struktur, und steinernem Machtgefüge, in dem für individualisierte Persönlichkeiten, Gefühle und Improvisation kein Platz ist. So empfinden es jedenfalls die Musiker.

Durch Sanggak haben die beiden eine Möglichkeit gefunden, spontan zu improvisieren, ohne die Struktur der Musik zu zerstören, eine Weichheit, Spontanität und Lebensfreude in die Musik zurückzubringen. Agus und Wahyu gelten in dieser Beziehung als die „lockersten“ unter den Sunda-Musikern. Für junge Leute gibt es ansonsten keine Möglichkeit, sich im Rahmen der traditionellen Musik weiterzuentwickeln. So kommt es, daß sie dann gleich lieber westliche Instrumente nehmen und Musik im westlichen Stil spielen. Auch Wahyu und Agus müssen ab und zu Sunda-Pop spielen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Einige traditionelle Instrumente und Spielweisen gehören schon auf die Liste der „Gefährdeten Arten“. Es ist deshalb wichtig, auch den traditionellen Musikern der ausser-europäischen Kulturen eine Chance zu geben, in Europa aufzutreten. Ihre soziale Stellung in ihrer Heimat wird dadurch ungemein aufgewertet, und ihr Erfolg im Westen kann sogar zu einer Revitalisierung ihrer traditionellen Instrumente führen.

Jatinder Thakur  (Indien) 

Tablas

 

KlangWelten-Festival 2017: Jatinder ThakurDass Jatinder Thakur ein exzellenter Begleiter ist, hat sich über viele Jahre bestätigt. Und: Seine Soli gehören seit über 30 Jahren zu den Höhepunkten der KlangWelten-Konzerte. Mehrere Sequenzen hören wir erst in der Trommelsprache Taketina und dann als Trommelmusik. Die Finger fliegen.

 

Trotz aller Crossover-Projekte hat er seinen klassischen glasklaren Spielstil nie verwässert, gespickt mit rhythmischer Finesse, wirbelwind-schneller rechter Hand, und extrem kräftiger Linke, mit der er auch gerne ganze Basslinien spielt.

Der im Himalaya lebende Meister gilt als einer der besten indischen Tabla-Spieler in Europa. Er hat sich nicht nur in der traditionellen Rolle als Begleiter hochrangiger indischer Solisten einen Namen gemacht, sondern auch im Jazz/WorldMusik-Bereich an vielen bedeutenden Projekten mitgearbeitet. Außerdem ist er ein beliebter Lehrer, und unter seinen Musikerkollegen hoch geschätzt als besonders warmherziger, bescheidener und integrer Mensch.

Jatinder Thakur stammt aus Mandi, einer Stadt im Kulu-Valley, im nordindischen Himalaya-Staat Himachal Pradesh. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er von seinem Vater, dem Musikprofessor Shyam Lal Thakur. Schon im Alter von 15 Jahren erhielt er das Bachelor of Arts Diplom („Sangeet Prabhaker“) und gewann mehrere nationale Wettbewerbe. Später wurde ihm auch das Master of Arts Diplom (M.A.) in Chandigarh verliehen.

1979 übersiedelte er nach Europa. Als Höhepunkt seiner „klassischen“ Ausbildung wurde er 1984 vom legendären Ustad Alla Rakha Khan als Meisterschüler akzeptiert, dem Tablavirtuosen an der Seite Ravi Shankars. In Basel unterrichtet er seit 1985 am Ali Akbar College of Music, einem Institut der Musikhochschule für Klassische Indische Musik.

Viele bedeutende indische Musiker wurden schon auf ihren Konzertreisen durch Europa von Jatinder Thakur begleitet, darunter die verehrte „Grand Dame“ des Gesangs, Lakshmi Shankar, der Flötenvirtuose G.S. Sachdev, der Santurspieler Nandu Muley, und der Sitarspieler Krishna Bhatt. Mit Sachdev war er schon beim ersten KlangWelten-Festival 1987 zu hören.

Europaweit bekannt wurde er aber mit Musikern aus anderen Musikbereichen, vor allem mit Rüdiger Oppermann seit 1982, später auch bei Projekten z.B. mit Dhafer Youssuf, Free Winds, Timna Brauer, Renaud Garcia-Fons, Carlo Rizzo, etc. Bei einer Rückkehr nach Indien zu Jazz-Festivals in New Delhi (1998), Bombay und Sri Lanka (1999) feierte er Triumphe.

Tablas und Talas

Tablarhythmen werden nicht in Notenschrift festgehalten, sondern in der speziellen, jahrhundertealten Trommelsprache “Taketina” (auch: Bol) memoriert. Ihre jetzige Form und Spieltechnik wurde in der Moghul-Zeit entwickelt (16. Jahrhundert), als sich kulturelle Einflüsse aus Persien, Altindien und Zentralasien gegenseitig zu einer neuen kulturellen Blüte befruchteten.

Indische Rhythmen, Talas, folgen nicht einer Einteilung in Takte, sondern sind längere Sequenzen, die in verschiedene Untergruppen mathematisch aufgeteilt werden. Oft folgt die Trommelmelodie auch den Akzenten der Hauptmelodie, oder bei gesungenen Stü­cken auch dem Sprachrhythmus. Da bei jeder Änderung der Trommelmelodie die Sequenz länger wird, bis sie wieder an den Anfang zurückkehrt, dauert es manchmal sehr lange bis er wieder auf „Eins“ landet, ein Moment, der bei Kennern der indischen Musik mit lautem Aufatmen, Beifallsbekundungen, Rufen und Zwischenapplaus bedacht wird…

Chapeau, Jatinder!

Rüdiger Oppermann

 

KlangWelten-Festival 2017: Rüdiger OppermannRüdiger Oppermann ist der Mann, der alles zusammen bringt. Der Deutsche Harfenmeister hat mit allen gespielt und versteht es, als weltreisender Promoter uns die ausgefallensten Stile näher zu bringen. In über 2000 Konzerten rund um den Globus hat er Maßstäbe gesetzt für Virtuosität, Schönheit des Harfenklangs und Mut zum Experiment. In diesem Jahr gibt er sich auch Zeit für neue Solo-Sounds.

 

Auf jahrelangen Reisen durch Afrika und Asien hat Rüdiger Oppermann intensiv die Musik vieler Völker erlernt und ihr Leben mitgelebt. Auf seinen Harfenstil hat das deutlich abgefärbt. Anders als üblich, beschäftigt sich seine Musik weniger mit der Interpretation der vorhandenen Harfenliteratur, sondern mit genauer, intensiver, solistischer  Tonformung, groovigen Rhythmen, ausgefallenen Arrangements und neuen Klängen.

 

KlangWelten-Festival 2017: Rüdiger OppermannDer Harfentüftler und „KlangWelten“-Erfinder ist einer der Drahtzieher der deutschen Harfenszene, welt-reisender Promoter der Harfe, Gründer und Ehrenpräsident der Harfenistenvereinigung „Freundeskreis Harfe“, Preisträger  und Juror mehrerer internationaler Wettbewerbe. Auf 56 veröffentlichten Tonträgern und in über 2000 Konzerten rund um den Globus hat er Maßstäbe gesetzt für Virtuosität, Schönheit des Harfenklangs und Mut zum Experiment.

Auf seinen ausgedehnten  Reisen auf den Spuren der Harfe rund um den Globus hat er – neben einem Schatz an Fotodokumentationen und Feldaufnahmen – auch Europas größte Privatsammlung ethnischer Harfen zusammengetragen.

Als Harfenist ist Rüdiger Oppermann Autodidakt, denn es gab 1973, als er die Keltische Harfe entdeckte, in Deutschland weder Unterricht noch Instrumente zu kaufen. Er erhielt als Kind „klassischen“ Unterricht (Klavier/Cello). Dazu verschaffte er sich einen Ausgleich als improvisierender Blueser, später als fahrender Straßenmusikant. Fünfzehn Jahre lang präsentierte er die verschiedenen Stilrichtungen auf unterschiedlichen Instrumenten (afrikanische Musik auf afrikanischen Instrumenten, Improvisationen auf dem Klavier, Straßenmusik mit Drehleier, Irische Musik mit der Harfe).

Nach dieser „Lehrzeit“ begann er, nun als ausgereifter Harfensolist, Improvisator und Komponist, die weit auseinander liegenden Welten von improvisierter, durchstrukturierter und ethnischer Musik zu verbinden. Er entwickelte für die Harfe eine spezielle Spiel- und Kompositionstechnik (Ziehmechanik), und begann, mit Musikern aus aller Herren Länder zusammenzuspielen. Er erhielt den German World Music Award “Ruth” 2006, und 2014 das Bundesverdienstkreuz.

Rüdiger Oppermann über das KlangWelten-Festival:

KlangWelten ist für mich eine gute Gelegenheit, immer wieder etwas neues dazuzulernen und tiefer ins Innerste der Musik einzudringen. Wer einmal durch die staubige Steppe und auf schlammigen Lehmstraßen das Dorf eines Musikers gesucht hat, lernt den musikalischen Bordun seines Lebens schon besser kennen.

Immer bin ich als Musiker gastlich empfangen worden, so auch bei Oganga, den ich im April gesucht (und gefunden) habe. Ich hatte eine längere Afrikareise mit dem Kameramann/Produzenten Hendrik John unternommen, der einen Dokumentarfilm über mich gedreht hat.

Wir waren auch in abgelegensten Dörfern in Tanzania und Uganda, z.B. bei den Wagogo-Queens zuhause, zu Fuß, mit dem Fahrradtaxi, auf dem Motorrad zu dritt mit Gepäck, oder zu zwanzigst im 9-Sitzer-Minibus. Bei Ekoka an der Sudan-Grenze, bei den rasenden Erdxylophonspielern der Busoga und bei den Musikern an der Kongo-Grenze, die schon mal bei Klangwelten in Deutschland waren. Ost/Zentralafrika ist mir immer wieder ein anstrengendes, aber wunderbares Vergnügen. Das Leben groovt dort einfach, und die Leier- und sonstige Musik ist Ausdruck davon.

 

Mein Motto bleibt: Wach bleiben! Und der Utopie auf die Beine helfen.  Karibu! Gute Reise! Es geht weiter. Danke, dass Sie mir auf meiner Weltmusik-Gedankenwanderung bis hier gefolgt sind.