KW20046

KlangWelten 2011: 25 Jahre WeltMusikFestival

KW 20049
CD im Digipack, mehrseitiges Booklet, 13 Titel


1. Adinna…

…ist ein Song von Tata Dindin. Er zeigt, daß Kora und Keltische Harfe ganz gut zueinander passen. Wir versuchen abwechselnd zu solieren, wobei jeweils der andere begleitet.

Typisch für Westafrika ist schon das Intro ohne Rhythmus, was ich dann auch aufnehme. Es ist ein Lied über eine schöne Frau. Beide spielen wir Begleitung und Melodietöne gleichzeitig, nur in unterschiedlicher Weise.


2. Ocean Love

Ein Stück für das Tanztheater (RIGOLO) zur Begleitung eines Pas-de-deux der merkwürdigen Unterwasserwesen. Dies ist eine live-Aufnahme. Aber die Gamben kommen vom Zuspielband.

Zunächst spielt ein Morin Khoor Quartett, was später von den Gamben abgelöst wird. Es ist das erste Stück, in dem Tata als Sänger ohne Kora auftrat. Ich finde die Kombination der beiden Stimmen- mongolisch und westafrikanisch einfach berückend.

Im Jahr der Aufnahme war Nikola der Bläser-Solist. In diesem Jahr wird Terrence Ngassa diesen Part spielen.

Aus dem Buch KlangWelten 2:

Dies ist auch ein Stück, das ich für Tanztheater geschrieben hatte, für ein Pasde- deux der Unterwasserwesen in dem Jahr, in dem Tata und Epi bei Rigolo/ Schweiz live mitspielten (Projekt Same Sun Same Moon Same Water).

Ich hatte gerade meine Affinität zur Gambe entdeckt, und das kam so: Die vierstimmigen Akkorde wurden ursprünglich von Epi für eine CD im Playbackverfahren eingespielt. Immer wenn ich das Ergebnis hörte, dachte ich: Das klingt wie Renaissancemusik! Und bemerkte, dass ich innerlich ein Gambenquartett hören wollte. Ich hatte auch gerade angefangen, mich selbst mit der Gambe zu beschäftigen, konnte ich doch wegen einer Handverletzung seit 20 Jahren nicht mehr Cello spielen.

Wie aber bekommt man ein Gambenquartett nur für ein Stück auf die Bühne, für 35 Konzerte? Da geht es nur mit einem Kompromiss: Epi spielt die Oberstimme, drei Gamben kommen vom Band. Das Karlsruher Ensemble Les Escapades spielte diese Stimmen ein. Klingt einfach, ist es aber nicht, denn die Stimmung und das Tempo müssen ja ganz genau stimmen. Manchmal ging’s auch daneben.

Meistens aber klang es wie hier: Einfach ergreifend. Manche hatten Tränen in den Augen. Die Ergänzung durch Nikola Parovs Kaval-Flöte passte auch gut.


3. Die Katajaq Frauen zelebrieren ihren traditionellen Gesang

CYNTHIA PITSIULAK/ANNIE ANINGMIUQ

Der archaische Kehlkopfgesang KATAJAQ hat schon zwei Mal, 1990 und 2005, unser Publikum verzaubert: Zwei Frauen stehen sich gegenüber, fassen sich bei den Schultern, beginnen sich zu wiegen, und dann entsteht ein Klang, den man nicht orten oder erklären kann: Sie singen ineinander verschlungene Töne, wir hören Keucher, Wölfe heulen, Eisbären fauchen, Vögel, Geisterstimmen… eine uralte schamanistische Stimmtradition, mit der die Frauen in Kontakt mit der Tier- und Geisterwelt treten.

Es ist ein keuchender, gutturaler Wechselgesang. Die Lippen bleiben fast bewegungslos. Kanonartig sind die Keucher, Hickser und Melodietöne ineinander verschlungen, ergeben erst in der Kombination den verborgenen Sinn, eine Kunst, die man nur zu zweit ausüben kann. Melodielinien entstehen als Produkt der abwechselnd hoch/tief singenden Einzelstimmen.

Oftmals geht der Wechselgesang wie einer Art Wettbewerb so lange, bis eine der Sängerinnen zu lachen anfängt. Die Worte haben nicht notwendigerweise einen „Sinn“, manchmal sind sie eher Teil eines Rätsels. Rätselhaft auch die Entstehungsgeschichte dieser Gesangstechnik, hören wir, was die Inuit selbst dazu zu sagen haben:

„Die Vögel haben uns das Tanzen und Singen beigebracht, wir singen in der Balzhaltung der Wildgänse. Katajaq ist die Sprache der TUNNITUARIT, kleiner Erdgeister, die in verlassenen Iglus leben. Sie können sich auch unter der Erde und im Schnee vorwärtsbewegen, denn sie haben magische Kräfte.

Eines Tages entdeckte Tamurasijaaluk und seine Frau Iqaluk eine Gruppe dieser Geister. Sie hatten keine Arme, keine Körper, nur zwei Beine mit drei Zehen, die Backen trugen die Brüste. Als sie entdeckt wurden, verschwanden sie durch die Wand des Iglu. Von außen belauschten die Menschen ihre Sprache – die Katajaq-Gesänge. So lernten sie diese Kunst.“

Heute leben die Inuit nicht mehr wie ihre Vorväter. Seit vierzig Jahren sind sie zerrissen zwischen Moderne und Eiszeit, zwischen Büchsenessen und Robbenjagd, zwischen TV und Geschichtenerzähler, zwischen karger autarker Lebensweise und sozialhilfegestützter Langeweile, zwischen Schlittenhund und Motorschlitten. Die Ausübung der traditionellen Tänze und Gesänge, und insbesondere der Katajaq- Gesang, sind wichtig, um die kulturelle Identität eines Volkes zu erhalten, das auch von rücksichtsloser Naturausbeutung, Klimawechsel und Entfremdung bedroht ist.

Katajaq ist eigentlich keine Konzertmusik, wird aber gerne als musikalisches Aushängeschild der Inuit-Kultur verwendet. Eine neue Generation von Frauen lernt jetzt von den Alten Damen wie Mary Iqaluk und Nelly Echaluq, die 1990 bei uns waren. So auch Cynthia Pitsiulak und Annie Anningmiuq, die uns schon 2005 erstaunten, die uns vom Ältestenrat in Nunavik (Hudson Bay) geschickt wurden und dieses Jahr wiederkommen.

Die Kulturvermittlung haben sie mittlerweile in Ottawa studiert. Sie treffen sich auch mit anderen arktischen Künstlerinnen, in Grönland, Sibirien, Island und Alaska. Nun gibt es einen kulturellen Austausch.

Wir glauben, dass diese Tradition überlebt, und wir tragen dazu bei. Erstaunlich ist eher dass, bedenkt man die Beliebtheit dieser Sängerinnen bei KlangWelten, niemand anders sie jemals nach Deutschland geholt hat.


4. Wie schön blüht uns der Maien.

Hier nehme ich den schönen deutschen Folksong auseinander, drehe ihn durch alle möglichen elektronischen Effekte bis man ihn nicht mehr erkennt, und komme zum Schluss wieder zum Thema zurück.

Das Improvisieren über ein vorgesehenes Thema ist ja eine alte Bardenkunst, und insofern bewege ich mich ganz in der Tradition, auch wenn es anders klingt. Ich ziehe Töne wie im Blues, was bei der Harfe -und in der deutschen Volksmusik- nicht vorgesehen ist.

Ich nutze einen live bedienten Sampler, der wie ein Spiegel zurückspielt und ein Pingpong-Delay, was die Fläche vergrößert. Und ausserdem einen Nagel, mit dem ich die "Slide"-Effekte erzeuge.


5. Adem Ayem

Hier spielen 3 Saro-Gamelan Instrumente. Ich spiele die tiefe Begleitfigur, Agus und Wahyu die ineinandergreifenden Stimmen der Melodie.

Perkussion aus Asien ist in Europa immer noch — zu Unrecht — wenig bekannt. Deshalb haben wir die beiden Sunda-Musiker, die uns schon 2000, 2001 und 2006 begeisterten, auf Wunsch von Jatinder Thakur noch einmal eingeladen, sozusagen als Jubiläumsgeschenk an uns alle. Ihre Virtuosität, ihr präzises Verzahnen und das überragende Trio mit J. Thakur gehört zur Weltspitze der Perkussion.

Agus und Wahyu gehören zur jungen Elite der altehrwürdigen Gamelan-Musik in Java (Indonesien). Beide stammen aus Musikerfamilien in West-Java. Sie studierten an der Hochschule für traditionelle Musik in Bandung.

Beide spielen in einer Vielzahl von traditionellen und modernen Gruppen in Indonesien und haben auf zahlreichen CDProduktionen mitgewirkt. Ihre traditionelle Gruppe JUGALA besteht seit 20 Jahren, darin spielt die ganze Famlilie.

Agus Supriawan unterrichtet mehrere Monate im Jahr an Musikhochschulen in Australien, Neuseeland, Malaysia und Indonesien. Außerdem hat er zwei Mal pro Woche eine eigene Live-Sendung im Radio und betreibt ein eigenes Tonstudio.

Übrigens tanzt er auch. Wahrscheinlich sehen wir etwas davon.

Wahyu Rochewandy war lange als Kurator der Musikabteilung des Museums in Bandung zuständig für den Gamelanunterricht der Schulkinder. Derzeit arbeitet er im Kulturministerium. Er unterrichtet regelmäßig als Gastdozent in Australien und den USA. Und er hat eine Popsängerkarriere begonnen.

DIE INSTRUMENTE:

SARON – ein paar gleichgestimmter Metallophone mit jeweils sechs Tasten. Die Tasten sind aus dicker, schwerer Bronze angefertigt und sehr genau gestimmt. Die Stimmung entspricht natürlich nicht unserer europäischen, gleichschwebend-temperierten Stimmung.

Es werden drei Haupt-Skalen verwendet, zwischen denen man durch Austauschen einiger Tasten wechseln kann: Salendro (C D E G A C), Pelog (C D F G H C), und Madinda (C E F# G H C). Die Melodien auf dem Metallophon werden oft zwischen den beiden Musikern aufgeteilt. So kommt es, dass manche Melodielinien nie von einem Musiker komplett gespielt werden, sondern nur jede zweite Note.

Aus zwei Melodien werden so neue, „verborgene“ Melodien gebildet („Inherent Patterns“). Daraus ergibt sich ein außergewöhnliches „Stereo-Bild“. Die beiden Teilmelodien werden sehr geschickt miteinander verbunden, indem jeder Spieler seinen gerade gespielten Ton genau in dem Moment abdämpft, in dem der nächste Ton erklingt, um einen Klangbrei zu verhindern.

Das Abdämpfen der vorher gespielten Töne ist also genauso wichtig wie das Anschlagen der Töne. Hinzu kommt noch, dass auch die Verzierungen, Umspielungen der Melodie zum Teil aus vorweggenommenen Melodieteilen bestehen, also einwweiterer Teil des Bewusstsein „vorweglaufen“ muss.

Auch in Java tendiert die klassische Musik etwas zur mathematisch-militärischen Strenge mit steifem Gehabe, konservativer Struktur und steinernem Machtgefüge, in dem für individualisierte Persönlichkeiten, Gefühle und Improvisation kein Platz ist.

So empfinden es jedenfalls die Musiker. Durch SANGGAK haben die beiden eine Möglichkeit gefunden, spontan zu improvisieren, ohne den Kern der Musik zu zerstören, eine Weichheit, Spontanität und Lebensfreude in die Musik zurückzubringen.

Agus und Wahyu gelten in dieser Beziehung als die „lockersten“ unter den Sunda-Musikern. Für junge Leute gibt es ansonsten keine Möglichkeit, sich im Rahmen der traditionellen Musik weiterzuentwickeln. So kommt es, dass sie dann gleich lieber westliche Instrumente nehmen und Musik im westlichen Stil spielen.

Auch Wahyu und Agus müssen ab und zu Sunda-Pop spielen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einige traditionelle Instrumente und Spielweisen gehören schon auf die Liste der „Gefährdeten Arten“. Es ist deshalb wichtig, auch den traditionellen Musikern der außereuropäischen Kulturen eine Chance zu geben, in Europa aufzutreten.

Ihre soziale Stellung in der Heimat wird dadurch ungemein aufgewertet, und ihr Erfolg im Westen kann sogar zu einer Revitalisierung ihrer traditionellen Instrumente führen.


6. Bamsoom Oh

Dieses Stück basiert auf einer traditionellen Melodie, die Terrence aus Afrika mitgebracht hat, dund die er normalerweise mit seiner Jazzband spielt. In diesem Arrangement habe ich alle Jazzfloskeln weggelassen und eher mit Naturklängen kombiniert, und auch mit Rückwärts-Sampler-Harfenklängen. Im Konzert wird Park die Jazzakkordische Begleitung spielen, die hier von der wunderbaren Laia Genc eingebracht wird.

Aus dem Buch KLANGWELTEN2:

Dieses Stück ist sozusagen ein Nebenprodukt der vielen KlangWelten-Festivals. Zu einer Jahresversammlung des DAAD wurde ich beauftragt, ein multikulturelles Konzert zu organisieren, an dem auch ehemalige Stipendiaten des DAAD teilnehmen sollten, die mir vorgegeben wurden. Das war eine spannende Aufgabe, die mir Spaß gemacht hat. Das Tollste daran war, dass ich Terrence kennenlernte. Terrence Ngassa aus Kamerun ist wohl der beste Jazztrompeter Afrikas.

Er hat in Deutschland studiert, bei Prof. Manfred Schoof. Ein wenig kann man das hören. Den stärksten Eindruck aber macht sein afrikanisch angehauchtes Melodiegefühl und sein afrikanischer Gesang. Ein selten gelungenes Beispiel der Befruchtung der verschiedenen Stile. Wir waren alle sehr beeindruckt von ihm. Hier spielt er mit seiner Duo-Partnerin, der Pianistin Leyla Genç. Wir begleiten ihn mit Harfe und Shaker. Die merkwürdigen Klänge in der zweiten Hälfte kommen von der Harfenelektronik. Der Effekt dieses wunderbaren Konzerts war, dass ich ihn auf der Stelle für KlangWelten 2011 gebucht habe.

Aus dem Programmheft: Terrence Ngassa stammt aus Kamerun. Schon sein Vater spielte Trompete im Nationalorchester. Schnell machte sich Terrence einen Namen als virtuoser Star. Mit einem DAAD-Stipendium kam er schließlich nach Deutschland (nach Köln zu Prof. Manfred Schoof). Zunächst konzentrierte er sich auf den amerikanisch-europäischen Stil, seine Interpretation von Standards, egal ob Chat Baker oder Miles Davis, zeigt sein tiefes Eintauchen in die „westliche“ Tradition. Nun gilt er als der beste Jazztrompeter Afrikas.

Richtig interessant aber wird es, wenn er sich seinem afrikanischem Erbe zuwendet. Da kann er zeigen, wie traditionelle Musik klingt, wenn sie in einen erweiterten harmonischen Zusammenhang gestellt wird. In seinen jazzigen Trompeten-Stil mischen sich nun auch afrikanische Klänge und Lieder. Bei Virtuosen wie Don Cherry, John Coltrane oder Miles Davis, die aus der amerikanischen Tradition kommen und sich später Afrika zugewandt haben, klingt das eher bemüht. Bei Terrence ist es authentisch.

Sein Trompetenspiel ist meisterhaft. Mit glasklarem Ton spielt er rasante Soli mit flüssigen, flexiblen Linien, hohen Stakkatotönen und enormem Tonumfang. Unbändiges Temperament und starker Ausdruckswille lassen seine Musik zu einem mitreißenden Erlebnis werden. Mit zusätzlichen Schnalz- und Klicklauten bringt er den Urwald zum swingen, und den Saal zum Staunen.


7. Agus Wahyu Rhythm Explosion
Contact — Kemprung Tarung

Dies ist ein Trommeltanz, der die Nähe des Gendang- Trommelns zu den Kampfkünsten zeigt. Die Tanzbewegungen sehen aus wie Kung Fu. Wie man hört, ist dies ein durchkomponiertes Stück. Das Prinzip der Inherent Patterns ist auch hier wichtig. Bei 3:20 zum Beispiel werden alle schnellen Muster durch Ineinandergreifen zweier langsamer Stimmen erzeugt. Die Trommelsprache drückt dies auch vokal aus, z. B. bei 4:40. Eine Minute später wird ein lustiges Question-Answer-Zusammenspiel zwischen Tänzer und Trommler gezeigt. Normalerweise braucht man für Gamelanmusik große Gruppen von Musikern. Agus und Wahyu sind auch für Indonesien eine Ausnahme. Sie zeigen die typischen Gamelantechniken nur zu zweit.

In diesem Jahr hatten sie einen gewaltigen Vorrat an indonesischen Nelken-Zigaretten mitgebracht, um das Heimweh zu bekämpfen. Dem Zoll am Frankfurter Flughafen gefiel das gar nicht. Sie wollten nicht nur Zoll kassieren, sondern auch Strafe, und auch die Musiker nicht einreisen lassen. Sie wurden nun als Zigarettenschmuggler gesehen, nicht als Musiker. Es war sehr schwer, die Grenzpolizei zu überzeugen. Ich musste sie auslösen.

GENDANG sind die traditionellen Trommeln der Sunda-Musik. Sie bilden ein Set aus 2x6 Trommeln. Zentrale Haupttrommel ist eine große doppelfellige Variante, die auf beiden Seiten gespielt wird. Die Trommel wird im Sitzen gespielt, und ein Fuß drückt auf die tiefe (rechte) Seite des Trommelfells. Mit unterschiedlich starkem Druck der Ferse kann der Musiker so unterschiedliche Tonhöhen im Bass erzeugen, ähnlich wie die indischen Musiker bei den Tablas. Zusätzlich zur großen Trommel gibt es noch zwei kleinere Trommeln („Kulanter“), die senkrecht neben der Haupttrommel stehen. Diese sind auf zwei hohe Töne (im Ganztonabstand) gestimmt.

Im Set spielen die Musiker diese Trommeln synchron, was bei bestimmten, durchkomponierten Breaks, Stops etc. einen beeindruckenden Effekt erzeugt. Außerdem wechseln sie sich auch ab im Solieren, wobei jeweils der andere im Hintergrund den durchgehenden Puls hält. Die Soli sind durchkomponiert, es wird weniger improvisiert als der Zuhörer meint. Ähnlich wie bei den indischen Tablas gibt es eine „Trommelsprache“, in der die Musik memoriert wird. Im Konzert werden Sie diese zu hören bekommen. Durch diese Sprache ist es den Musikern möglich, recht genau zu kommunizieren, auch mit Musikern aus anderen Kulturen. Das konnten wir schon bei früheren Konzerten hören. Das Trio mit J. Thakur war für uns einer der Höhepunkte der KlangWelten Festivals.


8. Still Life with Jazz Harp
Eine Komposition von Park Stickney.

Er zeigt hier wie mühelos er die Pedale bedienen kann. Park ist wohl der eizige Harfenist, der auch so frei chromatisch improviieren kann, wie man hier hört. Das Stück stammt von seiner gleichnamigen Solo-CD STILL LIFE WITH JAZZ HARP.

Aus dem Programmheft: Park Stickney aus New York ist immer noch unangefochten die Nr. 1 der Jazzharfe. Neben seinen Engagements am Broadway spielt er weltweit auf allen großen Harfenfestivals (World Harp Congress, Festival Gargilesse, Arles, Mosenberg Harfentreffen, Lauterbach, Violau, Soka/Japan, Puerto Rico, Dinan), auf vielen großen Jazzfestivals (Umbria Jazz, Chicago Jazz & Pop Harp Festival, Edinburg Jazz Festival…) und tourte weltweit mit verschiedenen Ensembles, (z. B. mit den Crash Test Dummies), im Trio, und auch im Duo mit Rüdiger Oppermann. Er ist Associate Professor an der Royal Academy of Music in London, an der Ecole de Jazz in Lausanne, an der Hochschule in Lyon, und am Konservatorium in Rotterdam und unterrichtet nebenbei Privatschüler weltweit.

Trotz dieser intensiven Unterrichtstätigkeit gibt es bisher niemanden, der auch nur andeutungweise an seine geniale Virtuosität heranreichen kann. Schon mit 10 Jahren gewann er den ersten Jazz Harfen Wettbewerb. Er studierte klassische Harfe an der renommierten Juillard School in New York bei Nancy Allen, wo er seinen M.A. mit Auszeichnung abschloss. Übrigens spielte er dieses Jahr auch mit den Berliner Philharmonikern.

Für seine Konzertreisen wird er weltweit von Lyon & Healy mit Elektro- Harfen versorgt. Park hat das „absolute Gehör“, was ihm das Musikerleben nicht immer erleichtert, und ein fotografisches Gedächtnis. Phänomenal ist vor allem seine Fußarbeit. Vier Pedale gleichzeitig, pedal slides, chromatische Improvisationen… alles klingt leicht bei ihm, auch hochvirtuose Techniken, die ihm in der Harfenwelt sonst keiner nachmachen kann.

Die Dämpftechnik hat er so weit entwickelt, dass er alle Töne einer Improvisation absolut separat spielen kann. Neben seinem Profil als Star der Jazzharfe arbeitet er auch weiterhin an klassischen Programmen, und ist übrigens auch ein hervorragender Jazz- und Klassikpianist. Seine extreme Dämpftechnik ermöglicht es ihm, auch in der Klassik einen ganz anderen, klaren Klang zu erzeugen, was sich z. B. bei Bach deutlich auswirkt. Seine Jazzvariante von Debussys Harfenkonzert, uraufgeführt 2011 beim World Harp Congress in Vancouver, ist ein Meilenstein der Harfen-Musikgeschichte.

Park lebt abwechselnd in New York und in einem kleinen Dorf bei Genf. Er ist mit einer Schweizerin verheiratet, Mitglied im örtlichen Bergsteigerverband und bei der Feuerwehr. Park ist der einzige Harfenist auf der Welt, der absolut frei chromatisch improvisieren kann. Er ist eine Extraklasse für sich, weit über uns allen anderen. Es ist mir eine Ehre, mit ihm zu spielen” (Rüdiger Oppermann).

Bei KlangWelten wird er einige Jazzstücke spielen, z.B. von Miles Davis, aber auch eigene Kompositionen. Im Zusammenspiel mit den anderen Musikern wird natürlich die Jazzkomponente gemeinsam mit Terrence Ngassa verstärkt. Aber auch bei anderen Stücken, die auf mongolischen, afrikanischen und Oppermann’schen Motiven basieren, wird seine akkordische und solistische Freiheit die harmonikale Basis erweitern. Auch das bewährte Duo mit Rüdiger Oppermann wird zu hören sein – in dessen beliebtem Trio-Stück Tarantella mit Jatinder Thakur zeigt er uns dann, wo der harmonischimprovisatorische Hammer hängt.


9. An Dro / Mongol Dro

Eine bretonische „An Dro“-Melodie wird mir zur Basis für ein Echo-Dialog-Stück mit einem Echogerät. Das heißt, die Einspielung des Motivs, das sich später immer weiter wiederholt, wird live auf der Bühne vorgenommen (immer mit ein wenig Angst im Rücken, ob es auch klappt). Danach werden darüber verschiedene Varianten und Improvisationen gespielt, im „irisch/bretonischen“ Stil, also keine gezogenen Töne. An Dro sind Tänze, die von Fischern nach getaner harter Arbeit getanzt werden, um sich wieder zu energetisieren. Sie dauern lange. Durch die Permanenz der Schritte und der Melodiefolge geraten die Tänzer und Musiker in einen tranceartigen Zustand.

Nach ca. 6 Minuten wird nun auch die Harfe gewechselt. Jetzt spielt die ausdrucksstärkere Metallsaitenharfe über den dahinfließenden Teppich der Nylonsaitenharfe. Es mischen sich bluesige Töne mit dem minimalistischen Teppich. Durch einen elektronischen Trick wird der Loop schließlich umgedreht und läuft dann rückwärts weiter. (Ein Youtube- Kommentar kam dazu aus Irland: „He sounds like an Irish harper turning back after 200 years from the future.“).

Es geht mir darum, der kleinen („keltischen“) Harfe auch eine andere Funktion zu geben, eine minimalistische (das hat bei mir schon früh angefangen, im Projekt SILBERFLUSS, 1986). Nun gesellt sich auch Epi (Enkh Jargal Dandarvaanchig) dazu. Er improvisiert. Das ist das häufist angesehen Stück aus meinem Repertoire auf Youtube.


10. So what (Miles Davis)

Im Konzert werden wir dieses Stück natürlich mit dem Jazztrompeter Ngassa spielen, und ich kann mich auf der "Rühren" der Snare-Trommel beschränken.

Dass man solche Riesen-Band-Arrangements auch auf einer einzelnen Harfe überzeugend spielen kann, verdanken wir Park. Diese Aufnahme stammt von seiner Solo-CD Still "Life With Jazz Harp"##Link##.


11. Ev Eij

Eine Komposition von Enkh Jargal. Ungewöhnlich ist schon die Rhythmuswahl: Es ist nämlich ein Fünfer, der offensichtlich angeregt wurde von RIDING A HORSE WITH FIVE LEGS, genau genommen ist es ein 10/8 Stück, immer 6+4. Der Rhythmus folgt der Melodie. Ich habs für das Duo arrangiert. Von dem Stück gibt es auch eine Bigband-Version (HR-Bigband beim Frankfurter Jazzfest 2010) und eine Orchesterfassung (Baden-Badener Philharmonie 2011).

Es hat eben eine mitreissende Qualität. Liveaufnahme von KlangWelten 2007.


12. Kano

Noch eine Komposition von Tata Dindin, von mir arrangiert für unser Ensemble 2000.

Dies ist eine Liveaufnahme in reduzierter Triobesetzung (Kora, Harfe, Tablas). Trio ist eben noch schön durchsichtig.

Aus dem Programmheft:

Der Spross der legendären Konte/Jobarteh-Familie aus Gambia tritt souverän in die Fußstapfen seines Großvaters Hadji Bai Konte und seines Vaters Malamini Jobarteh, die seine Lehrer waren.

Er hat der Kora-Musik seines Landes einen neuen Kick gegeben. In Gambia ist er ein Star der Jugend, hochvirtuos und experimentierfreudig. In Europa hat er einer Vielzahl von Projekten seinen Stempel aufgedrückt, seine Anpassungsfähigkeit und seine starke solistische Bühnenpräsenz gezeigt. Er spielte als Solist, als Duopartner (von Rüdiger Oppermann und Hans Lüdemann), als Bandleader (Salaam Band), als Musiker in Tanztheaterproduktionen (Rigolo) und zuletzt in André Hellers Afrika!Afrika!- Spektakel.

Tata kam zum ersten Mal 1994 durch Rüdiger Oppermann zum Internationalen Harfenfestival nach Deutschland. Seitdem ist er eine Art Musikalischer Botschafter Gambias geworden, in der Nachfolge seines Vaters, der sich zur Ruhe gesetzt hat. JALI In Gambia spielen nur Jalis Kora. Dies sind Berufsmusiker, Berater und Friedensrichter, und insofern durchaus mit unseren mittelalterlichen Barden zu vergleichen. Ihre Kora-Linien verweben sich zu einem fließenden Teppich aus afrikanischen Rhythmen, die den freischwebendem Gesang tragen. In den Liedern werden oft Anekdoten aus den Volksepen erzählt, Lobpreisungen auf die Familie des Auftraggebers gesungen oder ethischmoralischer Ratschlag erteilt. Ein Jali ist also eine hochangesehene Instanz in der Mandinke-Gesellschaft.

Traditionell wird die Kora nicht zusammen mit Trommeln gespielt, sie wäre dafür zu leise. Sie repräsentiert eher den ruhigen, bei uns unbekannteren Aspekt afrikanischer Musik.

DIE KORA

Die Kora ist ein außergewöhnliches Instrument, welches nur in Westafrika gespielt wird. Entwickelt hat sie sich wahrscheinlich aus der Bogenharfe vor ca. 300 Jahren im damaligen Königreich Mali, ein Gebiet, das das heutige Senegal, Gambia, Mali und Guinea umfasst.

Der Resonanzkörper besteht aus einer aufgesägten Kalebasse, die mit einem Kuhfell bespannt ist. Dieses dient als Resonanzdecke. In die Kalebasse wird ein ca. 1,5 m langer Hartholzstock gesteckt, ähnlich wie bei anderen Lauteninstrumenten (daher kommt der Begriff „Harfenlaute“). An dieser Stange sind 21 Saiten mit Lederringen befestigt, die über einen Steg auf das Resonanzfell drücken. Gestimmt wird das Instrument durch Drehen und Verschieben der Lederringe. Die Saiten werden heute aus Angelschnur-Nylon hergestellt. Früher waren sie aus Pflanzenfasern.


13. Beautiful Turns

Auch dieses Stück für Tanztheater entstand aus langjähriger KlangWelten-Arbeit - oder ist es umgekehrt?

Es kombiniert Musiker aus dem traditionallen Bereich — Epi als mongolischer Sänger, der eine "Langgesang"-Melodie beisteuert, Tata Dindin grüßt von der Ferne, die Koreaner von KlangWelten 2007 spielen die Percussion, zusammen mit Jatinder Thakur. Mein alter Kumpel Roland Schaeffer steuert die grandiosen Sopran-Saxpophonklänge bei. Und Hussein Kili brachte die Bass-Linie und die Bridge-Melodie ein, die aus der Berbermusik stammt.

Sogar Gambenklänge sind drin versteckt. Dies war das Finale der RIGOLO Produktion BEAUTIFUL TURNS


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