Die Kementche ist ein schmales Streichinstrument, welches rund um das Schwarze Meer von allen möglichen Völkerscharen gespielt wird: Türken, Georgier, Armenier, Aserbeidschaner, Iraner, Griechen...... Von der Region der Jahrtausende-alten Zivilisationswiege der Menschheit aus hat sich das Instrument auch in andere Weltregionen hineinbewegt. Die aus der Türkei vertriebenen Griechen haben es zB nach Griechenland mitgenommen. Heute ist es auch das Nationalinstrument auf Kreta (dort heißt es Lira). Die türkischen Musiker spielen es meist in rasantem Tempo zum Tanz (Horon). Die beiden Musiker vertreten unterschiedliche Spielweisen: Yasar spielt mehr traditionell, im türkischen und im pontischen Stil, auch in türkischen Ton-Skalen. Der junge Gökhan Salni ist ein eher moderner Spieler, der viel improvisiert, neues ausprobiert (er spielt auch in einer Rockband) und zweite Stimmen kreiert. Beide singen auch.
Im Duo hören wir eine mitreißende Tanzmusik, meistens im 7/8 Takt. Bei langsamen Stücken wird der Klang ganz sensibel-fragil durch das Spiel nahe am Steg, nahe an den Obertönen. Typisch für die Türkei ist auch die Kombination von weicher, femininer Tongebung und maskulin-archaischem Rhythmus. Die weibliche Seele der Musik ist jedenfalls bei den männlichen Musikern stark entwickelt, was wir ja auch im Gesang hören. Noch nicht einmal die größten Popstars kommen dort macho-aggressiv daher (vielleicht im Outfit, aber nicht in der Musik).
Die Kementche-Musik ist eine starke, beliebte Regionalform der türkischen Folklore (mit Zentrum Trabzon), die aber sicher alle unsere türkischstämmigen Konzertbesucher zum Mittanzen anspornen wird - und die anderen zum bewundernden Staunen.