AGUS WAHYU RHYTHM EXPLOSION
(Java)

Agus Wahyu Rhythm ExplosionDie beiden Musiker verblüffen mit überwältigender Trommeltechnik auf ihren Gendang-Trommeln, einem Set aus 6 gestimmten Trommeln, Saron-Metallophonen und Sanggak-Vokalakrobatik, der indonesischen Trommelsprache.

Agus und Wahyu gehören zur jungen Elite der altehrwürdigen Gamelan-Musik in Java (Indonesien). Sie stehen für hohe Präzision, ausgefeilte Arrangements, Witz, treibende Grooves, Spontanität und Professionalität. Auf den Metallophonen spielen sie die magisch-verzaubernden Klangkaskaden der Sunda-Gamelans, zahnradmäßig ineinander greifende minimalistische Strukturen. Agus und Wahyu stammen beide aus Musikerfamilien in West-Java.

Sie studierten an der Hochschule für traditionelle Musik in Bandung. Beide spielen in einer Vielzahl von traditionellen und modernen Gruppen in Indonesien und haben auf zahlreichen CD-Produktionen mitgewirkt.

Agus Supriawan unterrichtet mehrere Monate im Jahr an Musikhochschulen in Australien, Neuseeland , Malaysia und Indonesien.

Wahyu Roche ist als Kurator der Musikabteilung des Museums in Bandung zuständig für den Gamelanunterricht der Schulkinder.
Magische Klänge aus dem Land, wo die Nelken wachsen.

GAMELAN

SARON - ein paar gleichgestimmter Metallophone mit jeweils sechs Tasten. Die Tasten sind aus dicker, schwerer Bronze angefertigt und sehr genau gestimmt. Die Stimmung entspricht natürlich nicht unserer europäischen, gleichschwebend-temperierten Stimmung (die ja genaugenommen eine gleichmässig verstimmte Skala ergibt) . Es werden drei Haupt-Skalen verwendet, zwischen denen man durch Austauschen einiger Tasten wechseln kann: Salendro (CDEGAC), Pelog (CDFGHC), und Madinda (CEFisGHC).

Agus Wahyu Rhythm ExplosionDie Melodien auf dem Metallophon werden oft zwischen den beiden Musikern aufgeteilt. So kommte es, daß manche Melodien nie von einem Musiker komplett gespielt werden, sondern oft nur jede zweite Note. Aus zwei Melodien werden so neue, „verborgene“ Melodien gebildet („Inherant Patterns“). Daraus ergibt sich ein aussergewöhnliches „Stereo-Bild“. Die beiden Teilmelodien werden sehr geschickt miteinander verbunden, indem jeder Spieler seinen gerade gespielten Ton genau in dem Moment abdämpft, in dem der nächste Ton erklingt. Wenn man nicht abdämpfen würde,würde sehr schnell ein undefinierbarer Klangbrei entstehen. Das Abdämpfen der vorher gespielten Töne ist also genauso wichtig, wie das Anschlagen der Töne. Der Spieler macht pro Ton zwei Bewegungen: Anschlagen und Abdämpfen. Hinzu kommt noch,dass auch die Verzierungen, Umspielungen der Melodie zum Teil aus vorweggenommenen Melodieteilen bestehen, also ein weiterer Teil des Bewusstsein „vorweglaufen“ muss.

GENDANG sind die traditionellen Trommeln der Sunda-Musik. Sie bilden ein Set. Zentrale Haupttrommel ist eine große doppelfellige Variante, die auf beiden Seiten gespielt wird. Ein interessanter Aspekt dabei ist, daß die hohe Seite mit der linken Hand und die tiefe mit rechts gespielt wird. Die Trommel wird im Sitzen gespielt, und ein Fuß drückt auf die tiefe (rechte) Seite des Trommelfells. Mit unterschiedlich starkem Druck der Ferse kann der Musiker so unterschiedliche Tonhöhen im Bass erzeugen, ähnlich wie die indischen Musiker bei den Tablas. Zusätzlich zur großen Trommel gibt es noch zwei kleinere Trommeln („Kulanter“), die senkrecht neben der Haupttrommel stehen. Diese sind auf zwei hohe Töne (im Ganztonabstand) gestimmt. Im Set spielen die Musiker diese Trommeln synchron, was bei bestimmten, durchkomponierten Breaks, Stops etc einen beeindruckenden Effekt erzeugt. Ausserdem wechseln sie sich auch ab im Solieren, wobei jeweils der andere im Hintergrund den durchgehenden Puls hält. Ähnlich wie bei den indischen Tablas gibt es eine "Trommelsprache", in der die Musik memoriert wird. Im Konzert werden Sie diese zu hören bekommen. Durch diese Sprache ist es den Musikern möglich, recht genau zu kommunizieren, auch mit Musikern aus anderen Kulturen. Das konnten wir schon bei den Konzerten 2000/2001 hören. Das Trio mit J.Thakur war für uns einer der Höhepunkte der KlangWelten Festivals.

SANGGAK ist eine archaische Vokaltechnik, in der auch das „Verzahnen“ eine wichtige Rolle spielt. Agus und Wahyu haben diese alte Kunst wieder ausgegraben, die in Java schon lange aus der Mode war. Zwischen abgehackten Silben, Affengeschrei, Anfeuerungsrufen und rauschhafter (Hyperventilation! Adrenalin!) Vokalakrobatik klingt das manchmal wie eine archetypische Ursprache der Menschheit.

Auch in Java tendiert die Klassische Musik etwas zur mathematisch-militärischen Strenge mit steifem Gehabe, konservativer Struktur, und steinernem Machtgefüge, in dem für individualisierte Persönlichkeiten, Gefühle und Improvisation kein Platz ist. So empfinden es jedenfalls die Musiker.

Durch SANGGAK haben die beiden eine Möglichkeit gefunden, spontan zu improvisieren, ohne die Struktur der Musik zu zerstören, eine Weichheit, Spontanität und Lebensfreude in die Musik zurückzubringen. Agus und Wahyu gelten in dieser Beziehung als die „lockersten“ unter den Sunda-Musikern. Für junge Leute gibt es ansonsten keine Möglichkeit, sich im Rahmen der traditionellen Musik weiterzuentwickeln. So kommt es, daß sie dann gleich lieber westliche Instrumente nehmen und Musik im westlichen Stil spielen. Auch Wahyu und Agus müssen ab und zu Sunda-Pop spielen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Einige traditionelle Instrumente und Spielweisen gehören schon auf die Liste der „Gefährdeten Arten“. Es ist deshalb wichtig, auch den traditionellen Musikern der ausser-europäischen Kulturen eine Chance zu geben, in Europa aufzutreten. Ihre soziale Stellung in ihrer Heimat wird dadurch ungemein aufgewertet, und ihr Erfolg im Westen kann sogar zu einer Revitalisierung ihrer traditionellen Instrumente führen.


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