JATINDER
THAKUR
(Indien)
Tablas
Jatinder Thakur ist unbestritten der beste Tablaspieler in unseren Breitengraden, über den man eigntlich kaum noch ein Wort verlieren muss, hochvirtuos, grundierend, anpassungsfähig, ein fabelhafter Solist, Publikumsliebling, und warmherziger Begleiter. Er hat sich nicht nur in der traditionellen Rolle als Begleiter hochrangiger indischer Solisten einen Namen gemacht, sondern auch im Jazz/WorldMusik-Bereich an vielen bedeutenden Projekten mitgearbeitet. Außerdem ist er ein beliebter Lehrer, und unter seinen Musikerkollegen hoch geschätzt als besonders warmherziger, bescheidener und integrer Mensch. Er lebt in Wien.
Mit KlangWelten ist er schon lange verbunden: Er war schon beim ersten Festival 1987 dabei.
Seine Heimat ist das Kreisstädtchen Mandi im Kulu-Tal, im Himalaya-Vorgebirge
(Himachal Pradesh). Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er von seinem
Vater, dem Musikprofessor Shyam Lal Thakur. Schon im Alter von 15 Jahren erhielt
er das Bachelor of Arts Diplom ("Sangeet Prabhaker") und gewann mehrere
nationale Wettbewerbe. Später wurde ihm auch das Master of Arts Diplom
(M.A.) an der Universität von Chandigarh verliehen.
1979 übersiedelte er nach Europa. Als Höhepunkt seiner "klassischen"
Ausbildung wurde er 1984 vom legendären Ustad Allah Rakha Khan als Meisterschüler
akzeptiert, dem Tablavirtuosen an der Seite Ravi Shankars. In Basel unterrichtet
er seit 1985 am Ali Akbar College of Music, einem Institut der Musikhochschule
für Klassische Indische Musik .
Viele bedeutende indische Musiker wurden schon auf ihren Konzertreisen durch
Europa von Jatinder Thakur begleitet, darunter die verehrte "Grand Dame
"des Gesangs, Lakshmi Shankar, der Flötenvirtuose G.S.Sachdev, der
Santurspieler Nandu Muley, und der Sitarspieler Krishna Bhatt.
Europaweit bekannt wurde er aber mit Musikern aus anderen Musikbereichen, vor
allem mit Rüdiger Oppermann seit 1982, später auch bei Projekten mit
Dhafer Youssef, Free Winds, W. Puschnig, und im Percussion-Trio HandCraft mit
Hakim Ludin und Carlo Rizzo. Bei einer Rückkehr nach Indien zum Jazz- Festival
in New Delhi 1998, und bei weiteren Festivals in Bombay und Sri Lanka 1999 feierte
er Triumpfe.
Trotz aller Cross-Over-Projekte hat er seinen klassischen glasklaren Spielstil nie verwässert, gespickt mit rhythmischer Rafinesse, wirbelwind-schneller rechter Hand, und extrem kräftiger Linke, mit der er auch gerne ganze Basslinien spielt.
TABLAS
Das Trommelpaar TABLA ist das wichtigste Rhythmusinstrument der nordindischen
Musik . Es besteht aus einer kleinen, hölzernen Trommel und einer größeren,
die meistens aus Messing hergestellt wird. Die hohe Trommel wird auf den Grundton
des Stückes gestimmt. Die große Trommel "Bhayan" hat ein
relativ schwach gespanntes Fell. Hier wird die Tonhöhe durch Druck des
Handballens auf das Fell definiert, ist also während des Spiels variabel.
Die Felle sind aus Ziegenhaut hergestellt. Eine Besonderheit der indischen Trommeln
ist ein ca 4-8 cm großer schwarzer Punkt auf dem Fell, der in einer komplizierten
Prozedur aus Reismehl und Eisenoxidpulver vermischt und in vielen Schichten
aufgetragen wird. Dieser schwere Punkt gibt der Tabla einen klar definierten,
gongähnlichen Ton.
Tablarhythmen werden nicht in Notenschrift festgehalten, sondern in einer speziellen , Jahrhunderte altenTrommelsprache TAKETINNA memoriert. Ihre jetzige Form und Spieltechnik wurde in der Moghul-Zeit entwickelt ( 16.Jahrhundert), als sich kulturelle Einflusse aus Persien, Altindien und Zentralasien gegenseitig zu einer neuen kulturellen Blüte befruchteten. Manche Rhythmen sind schon Jahrtausende alt.
Indische Rhythmen, TALAS, folgen nicht einer Einteilung in Takte ,sondern sind längere Sequenzen, die in verschiedene Untergruppen mathematisch aufgeteilt werden. Oft folgt die Trommelmelodie auch den Akzenten der Hauptmelodie , oder bei gesungenen Stücken dem Sprachrhythmus.
Da bei jeder Änderung der Trommelmelodie die Sequenz länger wird, bis sie wieder an den Anfang zurückkehrt, dauert es manchmal mehrere hundert Schläge bis sie wieder auf "Eins" landet, ein Moment, der in Indien von lauten Beifallskundgebungen und Kopfwiegen des Publikums bedacht wird. Chapeau, Jatinder !